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Herausgeber: Dipl. Päd. Bernd Ulrich

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Geschwister im Schatten von NS-Erziehung und Kriegstraumata der Eltern

Ingrid Meyer-Legrand

Ingrid Meyer-Legrand: Geschwister im Schatten von NS-Erziehung und Kriegstraumata der Eltern

Warum können KriegsenkelInnen nicht einfach Schwestern oder Brüder füreinander sein?

Über Geschwister wird gern die ewig gleiche Geschichte von Liebe und Unterstützung oder von Eifersucht und Rivalität erzählt. Schauen wir uns Kriegsenkel-Familien an, sind die zeitgeschichtlichen Einflüsse auf die Geschwister-Dynamik unübersehbar, besonders zwei zeitgeschichtliche Strömungen:

1. Die Eltern der Kriegsenkel:innen, als Kinder durch NS-Erziehung, Verfolgung und Ermordung ihrer Angehörigen, durch Krieg, Flucht und Vertreibung vielfach traumatisiert, bekamen keinerlei öffentliche Hilfe. Das Leid wurde ins Private abgeschoben, dafür waren ihre Kinder zuständig. Sie übernahmen oftmals die Rolle der "Eltern für die Eltern". In diesem Parentifizierungsprozess entwickelten sie sehr früh große soziale Fähigkeiten für die gesamte Familie. Manche haben über Jahre ihre kleinen Geschwister versorgt, fühlen sich aber vernachlässigt, weil sie selbst nie die elterliche Fürsorge erlebt haben. Die "versorgten" Kinder wiederum fühlen sich oftmals bis heute schuldig.

2. Ein weiterer zeitgeschichtlicher Einfluss auf die Geschwisterdynamik: Die Öffnung der bundesrepublikanischen Gesellschaft in den 1970-erJahren wie ebenso die politische Wende 1989, die es sehr vielen Kriegsenkel:innen ermöglichte, ihr soziales Milieu zu verlassen. Sie nutzten die Aufbruchstimmung dieser Jahre, verließen ihr soziales Milieu und erfanden sich immer wieder neu - privat und beruflich. Mit dem Anspruch, etwas aus sich zu machen, folgten sie als loyale Töchter und Söhne dem Auftrag der Eltern, die es nicht konnten. Häufig entfremdeten sie sich auf diesem Weg von den Eltern wie von ihren Geschwistern. Denn nicht jedes (Geschwister-) Kind hat den Auftrag der Eltern wahrgenommen.

Ziel dieses Workshops ist es, geschwisterliche Beziehungen aus familiendynamischer wie aus zeitgeschichtlicher Perspektive betrachten zu lernen. An zahlreichen eigenen Beispielen (Selbsterfahrung) werden langwierige transgenerationelle Auswirkungen sowie der Einfluss von Parentifizierungsprozessen auf Geschwister-Beziehungen nachvollzogen wie ebenso der Preis, einen ganz eigenen Weg gegangen zu sein.

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Artikel-Nr. 4221

 

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