Auditorium Netzwerk | Fachvorträge, Einführungen und Fortbildungen aus zahlreichen Wissenschafts- und Lebensbereichen, Bibliothek und Kultur-Archiv wertvollen Menschheitswissens

Herausgeber: Dipl. Päd. Bernd Ulrich

Fachvorträge, Einführungen und Fortbildungen aus zahlreichen Wissenschafts- und Lebensbereichen, Bibliothek und Kultur-Archiv wertvollen Menschheitswissens

DVD, CD, USB-Sticks, Downloads

Existentielle Themen in der Psychotherapie: Tod, Vergänglichkeit und Verbundenheit

Luise Reddemann

Luise Reddemann: Existentielle Themen in der Psychotherapie: Tod, Vergänglichkeit und Verbundenheit

Mitschnitt des Livestream-Seminars mit Luise Reddemann vom 02. August 2023:
"Existentielle Themen in der Psychotherapie:
Tod, Vergänglichkeit und Verbundenheit"

 

Vorbemerkungen:

  1. Die Psychotherapie braucht gerade in Krisenzeiten deutlich mehr Ergänzungen zum erlernten »Handwerkszeug«, insbesondere die Berücksichtigung existentieller Themen.
  2. Diese sind hierzulande in den zugelassenen Verfahren wenig präsent. Sie sind jedoch hoch relevant und es ist erforderlich, dass wir uns auch damit befassen, um den Schwierigkeiten, mit denen uns PatientInnen aktuell konfrontieren könnten, angemessen zu begegnen.
  3. Biographische Einordnung und die notwendigen Antworten im Umgang mit ihnen sind natürlich weiterhin von Bedeutung.
  4. TherapeutInnen sollten mehr denn je auch Kenntnisse der Geschichte Europas im 20. und auch in diesem Jahrhundert haben, denn Krieg, Vertreibung und mancherlei tödliche Bedrohungen sind immer näher gerückt.

Irvin D. Yalom, bis heute einer der wichtigsten Vertreter der existentiellen Psychotherapie, zitiert Biswanger, der meinte:
"Es gibt nicht nur einen Raum und eine Zeit, sondern ebenso viele Räume und Zeiten wie es Subjekte gibt."

Die Humanistische Psychologie beschäftigt sich laut Yalom vor allem mit jenen menschlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten, die kaum einen oder keinen systematischen Ort haben, weder in der positivistischen oder behavioristischen Theorie, noch in der klassischen psychoanalytischen Theorie: zum Beispiel Liebe, Kreativität, Selbst, Wachstum, Organismus, Befriedigung grundlegender Bedürfnisse, Selbstaktualisierung, höhere Werte, Natürlichkeit, Wärme, Ich-Transzendenz, Objektivität, Autonomie, Verantwortlichkeit, Bedeutung, Fairness, transzendentale Erfahrung, psychologische Gesundheit und verwandte Konzepte.

Es gab eine Gruppe bedeutender Stimmen, zu denen Otto Rank, Karen Horney, Erich Fromm und Helmut Kaiser gehörten, die von der Psychoanalyse kamen. Jeder der Genannten wandte seine Aufmerksamkeit eine Zeit lang irgendeinem Aspekt existentieller Therapie zu Rank betonte die Bedeutung des Willens und der Todesangst; Horney unterstrich die entscheidende Rolle der Zukunft als beeinflussende Kraft für das Verhalten; Fromm hat die Rolle der und die Furcht vor der Freiheit des Verhaltens beleuchtet, während Kaiser sich mit der Verantwortung und der Isolation beschäftigte.

Yalom meint: Es lohne sich, einen Augenblick darüber nachzudenken, warum der existentielle Ansatz durch das akademische Establishment so unter Quarantäne gehalten wurde. Ganz gleich, wie gründlich man die Bestandteile des Geistes verstehe, begreife man doch nicht die zentrale Lebensinstanz, die Person. Die empirische Forschung könne der Person nicht dabei helfen, etwas über die Bedeutung der psychischen Struktur zu erfahren. Bedeutung könne niemals aus dem Studium von Komponenten gewonnen werden, weil Bedeutung niemals verursacht sei; sie werde durch eine Person, die all ihren Komponenten übergeordnet ist, gestaltet.

Angemessener Umgang mit existentiellen Themen kann z. B. heißen, zu akzeptieren, dass man eben nicht alles bestimmen kann. Jetzt, wo ein entsetzlicher Krieg relativ nah an uns herangerückt ist und auch Deutsche, die niemals mehr Krieg führen wollten, wieder verstrickt sind, kommt uns dieses Thema sehr nahe.

Wir stehen vor der Frage, wie wollen wir leben? Was hat für uns Bedeutung, was ängstigt uns? Es geht um existentielle Themen wie Vergänglichkeit und Tod, Freiheit, Einsamkeit, Sinn und Verbundenheit und darum, wie wir diesen Themen bewusster und freundlicher begegnen können, und wie wir unseren PatientInnen/KlientInnen bei diesen Themen beistehen können. Die erste Frage wird wohl sein, ob man PatientInnen bei diesen Themen begleiten möchte. Themen, auf die es niemals endgültige Antworten geben kann, so dass es auch keine Manuale dazu geben kann.

Hierzu Worte von Dietrich Bonhoeffer, die er kurz vor seiner Hinrichtung durch die Nazis in einem Brief schrieb:

"Ich dachte, ich könnte glauben lernen, indem ich selbst so etwas wie ein heiliges Leben zu führen versuchte. ... Später erfuhr ich und ich erfahre es bis zur Stunde, dass man erst in der vollen Diesseitigkeit des Lebens glauben lernt. Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen - sei es einen Heiligen oder einen bekehrten Sünder oder einen Kirchenmann (eine sogenannte priesterliche Gestalt!), einen Gerechten oder einen Ungerechten, einen Kranken oder einen Gesunden - und dies nenne ich Diesseitigkeit, nämlich in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten leben."

Nichts aus sich machen wollen und mit sich selbst sein, darum kann es bei der existentiellen Perspektive gehen.

Mitschnitt Livestream-Seminar vom 2. August 2023, online, ca. 317 Min. auf 2 DVDs oder auf 1 MP3-CD oder als Sofortdownload (7,2 GB video, 423 MB audio) oder auf USB-Stick (video)

Livestream-Seminar aus dem Jahr 2023, aufgenommen in digital

Sprache: Deutsch

 

Verfügbar in folgenden Formaten:

   USB-Stick: Video    Download: Video    Download: Audio    DVD    MP3-CD

Preis: ab 75,01 € *

Artikel-Nr. 4334

 

   Bitte zuerst Format wählen        

 

 

Alle Artikel von Luise Reddemann