Fachvorträge, Einführungen und Fortbildungen aus zahlreichen Wissenschafts- und Lebensbereichen, Bibliothek und Kultur-Archiv wertvollen Menschheitswissens
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In Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Familie auch bei der jungen Generation gute Konjunktur. Sie wird als ein sozialer Ort der Sicherheit und Harmonie wertgeschätzt – und zwar so sehr, dass immer mehr junge Leute auch noch im dritten Jahrzehnt ihres Lebens in der Herkunftsfamilie verweilen. Noch nie hatten wir in Jugendstudien einen so hohen Anteil von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die bei ihren Eltern wohnen bleiben. Die jungen Männer greifen auf den Komfort des "Hotel Mama" dabei deutlich stärker zurück als die jungen Frauen.
Diese Geschlechtsunterschiede sind symptomatisch. Sie drücken eine relativ geringe Bereitschaft von jungen Männern zu einer eigenverantwortlichen Familiengründung aus. In den letzten Shell Jugendstudien konnten wir bei den 12- bis 25-jährigen männlichen Jugendlichen zwar einen starken Wunsch nach einem Leben in der Familie finden, aber nur bei einer kleinen Gruppe von etwa 40 Prozent auch die Bereitschaft, dafür Kompromisse beim Engagement in Berufsausbildung und Berufslaufbahn einzugehen. Die Mehrheit der jungen Männer steht einer Kombination von Beruf und Familie, von Verantwortung für Haushalt und Erziehung und gleichzeitig für Beruf und Karriere, sehr skeptisch gegenüber. Sie klammert sich an das traditionelle Männerbild und möchte die Doppelrolle Beruf / Familie allein ihrer Partnerin überlassen, um sich allein auf die Berufstätigkeit zu konzentrieren.
Anders die jungen Frauen. Bei ihnen finden wir in Befragungen und Mentalitätsstudien kaum noch Befürworter der traditionellen Frauenrolle. 80 Prozent wollen stattdessen Berufs- und Mutter-„Karriere“ miteinander verbinden. Verzweifelt suchen sie hierfür die geeigneten männlichen Partner, und finden sie diese nicht, dann gehen die Hochqualifizierten von ihnen nach einiger Zeit nur den Berufsweg weiter und verzichten auf Kinder.
Junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kommen heute also mit höchst unterschiedlichen Einstellungen in die Unternehmen. In vielerlei Hinsicht ist die flexible Perspektive der Lebensführung der jungen Frauen inzwischen ein Vorteil für Unternehmen geworden, denn die weiblichen Mitarbeiter sind einfach auch im Berufsalltag beweglicher und anpassungsfähiger. Sie haben in der Regel die besseren Schulabschlüsse und Schulleistungen aufzuweisen. Sie sind dabei, mit einer Mischung aus Engagement, Fleiß und Selbstdisziplin auch im Berufsalltag die jungen Männer das Fürchten zu lehren.
(Kongress: "Familie-Beruf-Gesundheit" - Fürstenberg-Gesundheitskongress, Hamburg, 17. Juni 2009,
Vortrag, 54 Min. auf 1 CD oder 1 DVD oder als Sofortdownload (74 MB audio, 368 MB video))
Vortrag aus dem Jahr 2009, aufgenommen in Hamburg
Sprache: Deutsch
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