Artikelbeschreibung:
Die traditionelle Vorstellung des Zusammenhangs von Macht und Wissen ist die eines Staatsapparates, der seine Herrschaft dadurch sichert, dass er möglichst geheim möglichst viel Wissen über seine Bürger anhäuft. Für diese Vorstellung zentral ist das Geheimarchiv; dessen Stürmung durch die Untertanen der wichtigste Topos der Befreiung. Seit und mit Foucault haben wir gelernt, das Verhältnis von Wissen und Macht von zentralistischen Konnotationen zu befreien. Das Konzept der Gouvernamentalität verbindet Wissen und Macht auf eine neue Weise: normierendes Wissen und Techniken der Selbst-Beherrschung geraten in den Blick. Die Frage nach den Gefahren der leichtsinnigen Preisgabe von zuviel Informationen über uns im Internet und die Enthüllungspraktiken einer Organisation wie Wikileaks haben die Positionen in der Diskussion um Herrschaft, Wissen und um das Verhältnis von Enthüllung und Befreiung noch einmal neu aufgemischt. Dem Zusammenspiel von Macht, Herrschaft und dem Gestus des Enthüllens wird - auch im Hinblick auf die Psychoanalyse - nachzugehen sein.
PD Dr. phil. Peter Schneider, MA schloss sein Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft in Bochum mit dem Magisterexamen ab und promovierte anschliessend in Psychologie an der Universität Bremen, wo er sich 2004 auch habilitierte. Er arbeitet als Psychoanalytiker in Zürich und publizierte zahlreiche Bücher Theorie und Praxis Psychoanalyse, aber auch zu gesellschaftspolitischen Themen. Täglich ist seine satirische Presseschau auf DRS3 zu hören, ausserdem ist er Kolumnist der Sonntagszeitung sowie des Tages-Anzeiger.
Vortrag anlässlich der Changetagung vom 19. - 20. Januar 2012 an der Hochschule für soziale Arbeit, Basel, ca. 49 Min. auf 1 CD oder 1 DVD