Artikelbeschreibung:
Auch wenn viele Menschen Leistung mit Last oder Frust verbinden: so gibt es doch viel mehr Menschen – zumindest unter den Berufstätigen, die ihre Leistung gerne erbringen, die Lust an Leistung haben – gerade unter berufstätigen Müttern und Vätern.
Insbesondere berufstätige Mütter sind meistens optimal organisiert, zeitlich eng getaktet und hocheffektiv – sonst würde ihr Alltag nicht funktionieren. Die Bertelsmann-Stiftung hat 2006 herausgefunden, dass Unternehmen mit Müttern in Führungspositionen mehr Gewinn machen als andere. Mütter bringen besonders führungsrelevante Kompetenzen mit: Gelassenheit, Pragmatismus, Organisationstalent.
Der Verhaltensbiologe Felix von Cube erklärt, warum dies funktioniert: Wir Menschen sind nicht auf Schlaraffenland programmiert, sondern auf Leistung. Nur: Es muss sich subjektiv lohnen, sonst fällt unser Hirn in den Energie-Sparmodus. Von Cube sagt weiter, dass es bei der Arbeit kein Lustempfinden ohne Anstrengung gibt. Das eigentliche Motiv für das Erbringen von Anstrengung ist letztlich die Lust. Mit anderen Worten: Die Lust winkt als körpereigene Belohnung dafür, dass wir uns anstrengen und Leistung erbringen. Der meistens kurzzeitig damit verbundene Stress hat keine negativen Auswirkungen, ganz im Gegenteil. Er bringt uns in Hochform. Der Lohn für die Anstrengung ist eine mächtige Droge: die Glückseligkeit, über sich selbst hinaus gewachsen zu sein. Und das scheint ein Reiz für viele Mütter und Väter zu sein, die sowohl beruflich als auch familiär "erfolgreich" sind.
Eine Balance in Familie und Beruf zu halten, stellt für viele berufstätige Mütter und Väter in der Regel kein Problem dar, solange nichts Unvorhergesehenes passiert: Wird aber das Kind krank – und die Krankheit dauert länger, hat ein Kind Schwierigkeiten in der Schule oder ist verhaltensauffällig, gibt es Erziehungsschwierigkeiten, gibt es Partnerschaftsprobleme oder gar eine Trennung, fällt die Haushaltshilfe oder das Kindermädchen aus, wird die Mutter oder der Schwiegervater krank oder pflegebedürftig – dann kommen berufstätige Mütter und Väter oft an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit – die Leistungsfähigkeit sinkt. Überforderung und negativer Stress gehören mit zu den größten Lustkillern. Befinden sie sich öfters oder über einen längeren Zeitraum an diesen Grenzen, können Befindlichkeitsstörungen bis hin zu Depressionen die Folge sein. Sind hingegen genau solche Situationen gut abgefedert, stehen gerade berufstätige Elternteile auch solche Phasen in der Regel gut durch und kommen schnell wieder zu ihrer gewohnten Leistungsfähigkeit zurück.
In einer Untersuchung im Jahr 2004 wurden 1042 Mitarbeiter deutscher Dienstleistungsunternehmen befragt, was ihnen in Bezug auf Lust und Freude an der Arbeit wichtig ist. Die Untersuchung ergab, dass Balance an erster Stelle stand und dabei die Balance zwischen Arbeit und Privatleben für die Befragten die wichtigste Rolle spielte. Zumindest in Deutschland hat dieser Pfeiler für Mitarbeiter eine hohe Priorität.
Personalmanager stuften hingegen die Wichtigkeit der Balance zwischen Beruf und Privatleben in der Untersuchung als sehr niedrig ein. Bei Ihnen kam die Balance erst an neunter Stelle.
Jeder Mensch durchläuft in seinem Leben verschiedene Lebensphasen: In der Phase zwischen 30 und 39 Jahren sind sowohl die Karriere wie auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie entscheidend. Danach gewinnt das Thema Gesundheit an Bedeutung – und häufig auch Krankheit und Pflegebedürftigkeit der eigenen Eltern. Jeder einzelne Mitarbeiter ist selbst dafür verantwortlich, seine Lebensphasen gut zu meistern. Gezielte Personalpolitik ist aber dann gefragt, wenn die Leistungsfähigkeit und die Lust auf Leistung der Mitarbeiter sinkt, weil die Balance zur Zerreißprobe geworden ist. Hier sind Unternehmen gefragt, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Mitarbeiter die Möglichkeit haben, auch mit Kindern oder pflegebedürftigen Eltern bei voller Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu bleiben und ihre Lust auf Leistung nicht durch Überforderung zu verlieren.
Der Einsatz eines Familienservices bietet dazu gewinnbringende Möglichkeiten, die darüberhinaus gute Mitarbeiter stärker an das Unternehmen binden. Denn was gibt es Schöneres für berufstätige Eltern, als im Unternehmen sogar mit ihrer Familie willkommen zu sein!
(Kongress: "Familie-Beruf-Gesundheit" - Fürstenberg-Gesundheitskongress, Hamburg, 17. Juni 2009, Vortrag, 33 Min., 1 CD oder 1 DVD)