Artikelbeschreibung:
in englischer Sprache
Prof. Bauman beschreibt in seinem Vortrag den Hintergrund kultureller und gesellschaftlicher Bewegungen zu Zeiten Freuds und stellt diese den aktuellen Entwicklungen unserer Zivilisation gegenüber. Dabei geht er auf die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf den einzelnen Menschen und soziale Systeme, wie Familien, ein. Bauman stellt den Übergang von der „Festen Moderne“ (solid modernity) zur „Flüchtigen Moderne“ (liquid modernity) fest und versucht dies mit sozialwissenschaftlichen und philosophischen Erkenntnissen der Postmoderne zu belegen und deren psychologische Folgen aufzuzeigen. Wesentliches Merkmal dieses Übergangs ist Zugewinn persönlicher Freiheiten auf Kosten zunehmender Unsicherheit (uncertainty, insecurity, unsafety), die vom Einzelnen als ständige und latente Bedrohung erlebt wird. Soziale Systeme, wie z.B. Familien, haben ihre Bindungskraft verloren. Bindungen werden an anderen gesellschaftlichen Orten gesucht, die von der post-modernen Konsumgesellschaft zur Verfügung gestellt werden. Illusionen der freien Verfügbarkeit von Waren, aber auch von Identitäten werden medial vermittelt. Damit werden die neuen Medien zu Mediatoren dieser freien Verfügbarkeit und des Überflusses, und damit auch der Überflüssigkeit. Die gewonnenen persönlichen Freiheiten zeigen sich in den Mechanismen der Konsumgesellschaft, die eine All-Zeit-Verfügbarkeit von Lustgewinn verspricht, aber diejenigen ausschließt, die da nicht mithalten können. Das Versagen des Einzelnen erweist sich in dem Mangel an Fähigkeit und Möglichkeit der Teilnahme an diesen Mechanismen. Das von Freud benannte Realitätsprinzip, das Bauman als Merkmal der „Festen Moderne“ sieht, entwickelt sich zu einem Prinzip auf Widerruf in der von Bauman so benannten „Flüchtigen Moderne“. Das Wesen der flüchtigen Moderne ist die Ambivalenz. Das Wesen der Ambivalenz ist, dass der Ausgang und das zukünftige Ergebnis offen bleibt.
(Kongress: "Die Fähigkeit allein zu sein - Zwischen psychoanalytischem Ideal und gesellschaftlicher Realität", Jahrestagung der DGPT, 19. - 21. September 2008, englisch, Bonn, 60 Min., 1 CD)