Artikelbeschreibung:
Pippi Langstrumpf - Psychoanalyse eines rebellischen Mädchens.
Lindgren lässt Pippi unabhängig von Erwachsenen, ja außerhalb der gesellschaftlichen Ordnung, ihr selbstbestimmtes kindliches Leben führen. Das widersprach, als das Buch 1945 erschien, den gängigen Vorstellungen von Mädchenerziehung und so auch den Wertvorstellungen der Mädchenbücher. Man sollte meinen, es widerspräche auch heute noch dem Bedürfnis lesender oder zuhörender Kinder; denn sie liefen Gefahr, in einen quälenden Widerspruch zu geraten zwischen diesem Traum von kindlicher Unabhängigkeit einerseits und gesellschaftlichen Normen andererseits. Die verlangen von ihnen ja Gehorsam, Sauberkeit, weibliche Bescheidenheit und mädchenhaftes Aussehen. Doch die Kinder haben das Buch gewählt, es wird in Millionenauflagen in über 60 Sprachen gelesen.
Wie gelang dies? Mit welchen Strategien arbeitet das Buch? Welche Phantasien spricht es an? Unter welchen psychischen Voraussetzungen konnte Lindgren ausbrechen aus dem Ghetto, in dem das Mädchenbuch sich bis dahin aufgehalten hatte, wenn es seine Leserinnen zum schlimmen guten Ende in weibliche Geschlechtsrollen einwies? Wie gelang es, die Konventionen des Mädchenbuchs zu verlassen und mit Pippi Langstrumpf eine neue Epoche des Mädchenbuchs einzuläuten?
Dem geht der Vortrag aus psychoanalytischer Perspektive nach. Er versteht den Text, wie andere auch, als eine Phantasie mit bewussten und unbewussten Anteilen, der Lesenden dann bewusst und unbewusst folgen. Diese analysiert er.
Vortrag, 12. Juli 2011 in Freiburg, ca. 72 Min. auf 1 CD oder 1 DVD.